Der SS-Mann, der Landauer Pfarrer wurde (Teil 1/2)

Shownotes

Du kennst das Landauer Schloss – aber wusstest du, dass dort von 1950 bis 1957 ein Mann als Pfarrer arbeitete, der zuvor im innersten Machtzirkel der Nationalsozialisten saß und direkt mit Martin Bormann und Albert Speer zusammenarbeitete? In dieser zweiteiligen Sonderfolge erzählt Host Dennis Schmidt die Geschichte von Dr. Richard Pawelitzki: vom ehrgeizigen Juristen über SS-Hauptsturmführer bis zur Mittäterschaft durch Wegsehen. Teil 1 zeigt den Aufstieg – und wirft die Frage auf, wie viel Verantwortung im Nicht-Wissen-Wollen liegt.

Hinweis zur Sonderfolge:

Diese Folge ist Teil 1 einer zweiteiligen Sonderfolge. Der Rückblick auf die Woche sowie die Gute Nachricht entfallen daher in dieser Ausgabe. Teil 2 erscheint in der kommenden Woche.

Die Folge basiert auf "Die Lebensgeschichte des Landauer Pfarrers Dr. Richard Pawelitzki", erschienen in der WLZ-Beilage "Mein Waldeck" im Januar 2026. Geschrieben von Günter Engemann.

Das Thema im Fokus:

Für diese Folge liegt aktuell kein WLZ-Artikellink vor. Sollte ein passender Artikel erscheinen, wird der Link nachträglich ergänzt.

Infos:

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Transkript anzeigen

00:00:00: Du kennst das Landaurschloss.

00:00:02: Heute Hotel, früher Altenheim.

00:00:05: aber wusstest du dass dort von derzeit von der Zeit von den Hälften bis zu den Jahren von dem Jahr war ein Mann ans Pfarrer arbeitete Der zuvor im innersten Machtzirkel der Nationalsozialisten tätig war?

00:00:14: Ein Mann, der direkt mit Martin Bohrmann und Albert Speer zusammenarbeitete Und er nach dem Krieg mit gefälschen Papieren untertauchte?

00:00:23: Heute beginnt eine Geschichte in zwei Teilen.

00:00:26: Sie zeigt wie jemand vom ehrgeizigen Juristen zum Mitwisser und mit Täter von Verbrechen wird.

00:00:33: Eine Geschichte, die uns auch heute noch Fragen stellt Und bei dieser Geschichte müssen wir sehr tief eintauchen.

00:00:39: Du wirst sehr viele Namen kennenlernen, die du aus der NS-Zeit kennst.

00:00:45: Pavalicki war mitten drin.

00:00:47: Heute schauen wir uns das sehr genau an.

00:00:50: In der nächsten Folge in der kommenden Woche gehen wir nach Landau Goliwitz-Ninzentneun.

00:00:58: Richard Pavelitski ist dieser Mann.

00:01:01: Er wird am zweiten Juli, in Gliwitz geboren.

00:01:04: Heute Gliewitsche in Polen.

00:01:06: Er wächst in einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie auf mit zwei jüngeren Schwestern.

00:01:11: Aber die Welt um ihn herum ist instabil.

00:01:13: Der erste Weltkrieg tobt.

00:01:14: In den letzten Jahren kommt der Versailles Vertrag.

00:01:17: Ein Teil von Oberschlesien wird an Polen abgetreten und plötzlich verläuft die Grenze mitten durch seine Heimatstadt.

00:01:25: Das prägt diese ganze Generation.

00:01:28: Demütigung Verlust Angst vor dem Abstieg Das schafften Nährboden für Radikalisierung, für einfache Antworten auf komplizierte Fragen.

00:02:01: Paul von Hindenburg, er nennt Arthur Fittler zum Reichskanzler.

00:02:05: Und Pawe Litzki?

00:02:06: Der stellt im April' Thirty-Sich einen Aufnahmeantrag in die NSDAP kurz bevor die Partei ein Aufnahmestopfer hängt.

00:02:14: Perfektes Timing!

00:02:16: Auf Anraten von Freunden tritt er auch der SA bei – des Sturmabteilungen.

00:02:22: War er überzeugter Nazi oder berechnender Karrierist?

00:02:26: Seine Aufzeichnungen, die erst nach seinem Tod veröffentlicht werden geben darauf keine klare Antwort.

00:02:33: Vielleicht beides, vielleicht weder noch.

00:02:35: Vielleicht einfach ein junger Mann der dazugehören will... ...der Angst hat abgehängt zu werden.

00:02:59: nach Neustadt an der HART, heute Neustart an der Weinstraße.

00:03:02: Die Stadt ist Sitz der NSDAP-GAU-Leitung für die Saarfalls.

00:03:07: Dort sitzt das GAU-Amt der Arbeitsfront.

00:03:10: Die Deutsche Arbeitsfront?

00:03:12: Das ist die Nazi-Organisation, die nach der Zerschlagung der Freien Gewerkschaften in den Jahr nineteen dreizig gegründet wird.

00:03:18: Offiziell soll sie die Arbeiter nach nationalsozialistischer Ideologie schulen.

00:03:24: Faktisch bedeutet es keine Tarifverhandlungen mehr, keine Mitbestimmung.

00:03:29: Der Betriebsführer, also der Chef gibt die Befehle.

00:03:32: Die Mitarbeiter gelten als untergebende Gefolgschaft.

00:03:36: Pawe Litzki arbeitet dort in der Rechtsabteilung.

00:03:39: Er kennt sich aus mit dem neuen Arbeitsrecht das am zweiten Mai-Ninzent-Vierneißigen-Kraftritt.

00:03:44: Streiks, Aussperrungen, Klassenkampf – all das soll und darf es nicht mehr geben.

00:03:50: Die Nazis wollen aufrüsten!

00:03:52: Da kann man keinen Arbeitskampf gebrauchen.

00:03:54: Hier kommt Pavolitski zum ersten Mal mit den Größen der Partei in Berührung, vor allem mit Gauleiter Josef Bökel, einem e-Malling Volksschullehrer.

00:04:03: Es ist der Anfang seiner Karriere in der Partie.

00:04:24: Passiert dann etwas Entscheidendes.

00:04:26: Pavlicki wechselt von der SA zu SS, auf Anraten seines Amtsgerichtsdirektors, wie er schreibt.

00:04:34: Warum?

00:04:35: Am threißigsten Juni, neunzehntvierneißig lässt Hitler den SA-Chef Ernst Röhm und seine Führungsriege am Tegern sich verhaften... ...und ermorden!

00:04:43: Die Nazis sprechen von einem vereitelten Putsch.

00:04:46: In Wahrheit geht es um Macht.

00:04:48: Die SA ist so unberechenbar, zu brutal geworden.

00:04:51: mit Röms Ermordung ist sie als Machtfaktor ausgeschaltet.

00:04:55: Die ESS dagegen, die Schutzstaffel unter Heinrich Himmler – sie steigt auf und versteht sich als Elite.

00:05:01: Und Pawe Litzki ist dabei!

00:05:03: Er steigt bis November deklar zum SS-Hauptsturmführer auf, das entspricht dem Rang eines Hauptmanns.

00:05:10: Am ersten Oktober, übernimmt Pawe Liszky eine Stelle am neu gegründeten Arbeitswissenschaftlichen Institut der Arbeitsfront in Berlin.

00:05:19: Schwerpunkt, Arbeitsrecht & Sozialversicherung.

00:05:22: Gleichzeitig wird er ehrenamtlicher Mitarbeiter für Arbeitsrecht bei der SS.

00:05:27: Im Oktober deklariert, schließt seine Ausbildung mit dem Assessor-Examen ab.

00:05:32: Er ist jetzt vollwertiger Jurist gut vernetzt in Partei und SS.

00:05:38: Anfang neunzehnt neununddreißig wechselt Pavelitzki zur Logie in Frankfurt eine Tochterfirma der Metallgesellschaft die Großanlagen für die Industrie baut vor allem Anlagen zu Kohlenveredlung.

00:05:51: Am ersten September neunzentneununddeißig über Feldhidlapolen.

00:05:54: Der Zweite Weltkrieg beginnt.

00:05:57: Pavolitski wird im August neunzehntvierzig Marienesoldat.

00:06:01: Er wird auf der dänischen Insel Fano stationiert, wo er in einem geheimen neuen Radargerät ausgebildet wird.

00:06:08: Doch dann werden die Logi-Werkstätten in Frankfurt ausgebrummt.

00:06:11: Pavoltski wird unabkömmlich gestellt wie es heißt Zu wichtig für die Rüstungsproduktion.

00:06:17: erkennt man Frankfurt zurück Und jetzt wird es dunkel Sehr dunkel.

00:06:22: Sein Schwerpunkt verlagert sich in die Rüstung.

00:06:25: Er ist zuständig für die Zuteilung von Ostarbeitern, Zwangsarbeiter aus dem besetzten Polen und der Sowjetunion.

00:06:32: Zunächst angeblich Freiwillige zunehmend Verschleppte.

00:06:35: Sie sollen Deutsche ersetzen, die Soldaten werden.

00:06:39: Papelitski schreibt später, waren sie dort nicht schlecht untergebracht.

00:06:55: Nicht schlecht, untergebracht!

00:06:57: Eine Formulierung die verschleiht, die beschönigt und die auch Schuld leugnet.

00:07:02: Millionen Zwangsarbeiter werden ausgebeutet, gequält, zu Tode geschwunden, hunderttausende sterben... ...und Pavelitzki ist mittendrin als ein Rädchen in dieser Maschinerie.

00:07:14: Anfang der Jahrhunderteinung von Pavelizziki erhält Pavelizki eine Mitteilung.

00:07:17: Er soll sich in der Parteikanzlei der NSDAP in München vorstellen.

00:07:22: Sein Wechseldeutsch hin zum ersten Februar, der Dreiundvierzig wird als Dienstverpflichtung gestaltet.

00:07:28: Die Parteikanzlei ist die Machtzentrale.

00:07:31: Nach dem mysteriösen Flug von Rudolf Hess nach Schottland im Mai-Nozart-Einen-Vierzig hat Martin Burmann die Leitung übernommen.

00:07:39: Burmann ist Hitlers Schatten sein Vertrauter und sein Sekretär.

00:07:43: er kontrolliert den Zugang zu Hitler.

00:07:45: Er entscheidet wer was zu sagen hat – die graue Eminenz im Hintergrund.

00:07:51: Pawelecki soll Verbindungsmann werden zwischen Parteikanzlei und Rüstungsministerium.

00:07:56: Rüstungminister ist Albert Speer, Hitlers ehemaliger Architekt der nach dem Tod von Fritz Todt in two forty zwei das Amt übernommen hat.

00:08:05: Speer ist ein Organisations- talent.

00:08:08: Ihm gelingt es die deutsche Rüstumproduktion trotz wachsender Luftangriffe bis nineteen vierzig deutlich zu steigern.

00:08:15: Wie?

00:08:16: Mit sieben Millionen Zwangsarbeitern?

00:08:18: mit etwa vierhundertfünfzigtausend KZ Häftlingen?

00:08:21: mit Brutalität und Kalkül.

00:08:24: Wenige Tage nach seiner Ankunft im München wird Pavelitsky-Bohrmann vorgestellt.

00:08:30: Sein Eindruck?

00:08:31: So sagt er sehr unbehaglich!

00:08:33: Bohrmann habe eine verklemmte Scheu vor Menschen gehabt, die ihm geistig überlegen waren.

00:08:39: Gleich bei der ersten Unterhaltung warnt Bohrman ihn vor Speer, der sei kein echter Nationalsozialist.

00:08:46: Tröstlich für Pavelitzki – Bohr Mann ist fast immer im Führerhauptquartier bei Hitler.

00:08:51: Die räumliche Distanz ist groß.

00:08:54: Etwa gleichzeitig mit seiner Arbeitsaufnahme in die Parteienzentrale tritt Pavolitski aus der evangelischen Kirche aus.

00:09:01: Er schreibt später, er sei nach anfänglichem Widerstand im Herbst neunzer dreinvierzig dem Druck der Partei erlegen.

00:09:09: Ein Austritt ist ein Zeichen der Loyalität.

00:09:11: Wer in der Parteikanzlei Karriere machen will, kann kein Kirchenmitglied sein.

00:09:17: Röhepunkte für Pavlicki sind die Rüstungstagungen, die Speer veranstaltet.

00:09:22: Im Spätherbst des Jahrtausendstags lädt der Minister nach Guttenhafen bei Danzig ein.

00:09:27: heute Gdynia in Polen.

00:09:30: Dort lernt Pavlicky Großadmiral Karl Dönitz kennen Oberbefehlshaber der Marine.

00:09:35: Döniz hat die U-Bundflotte aufgebaut, deren Erfolge die Nazipropaganda bejubelt Tausende Schiffe versenkt, Zehntausende Menschen ertrunken.

00:09:44: Nach Hitlers Selbstmord wird Dönitz im Mai von der Nachfolger für eine Woche bis zur Kapitulation.

00:09:52: Die letzte Rüstungs-Tagung findet im Juni in Linz statt.

00:09:56: Sie beginnt mit Orgelmusik und Chorgesang, in der Klosterkirche St.

00:10:01: Florian.

00:10:02: Sie endet mit einer Busfahrt zum Ober Salzberg, Hitlers Alpenresidenz.

00:10:07: Dort hält Hitler einen mehrstündigen Vortrag über die Rüstung.

00:10:12: Pawelicki notiert später Hitler habe auf die Teilnehmer stark gealtert gewirkt.

00:10:18: Vier Wochen später, am zwanzigsten Juli, von Staufenberg verübt Klaus Schenk das Attentat auf Hitler.

00:10:26: Der Putschversuch scheitert – die Rache ist brutal!

00:10:29: Der Volksgerichtshof unter Roland Freisler, einem Juristen der zeitweise in Kassel lebte für Tchao-Prozesse.

00:10:36: Pawe Litzki nimmt als bestellter Zuschauer an den ersten Verhandlungen teil.

00:10:41: Ähnlich wie der spätere Bundeskanzler Helmut Schmidt übrigens.

00:10:45: Er sieht zu, wie Menschen zur Tode verurteilt werden.

00:10:48: Menschen die versucht haben den Krieg zu beenden und Hitler zu stoppen.

00:10:54: In den Folgemonaten wird Pavelitsky auf Veranlassung Boermanns zu Gauleitern geschickt um ihn die Umfänglichkeit der laufenden Rüstung plausibel zu machen.

00:11:04: Er lernt die meisten der Dreiundvierzig-Gauleiter des Großdeutschen Reiches persönlich kennen.

00:11:15: begeistert von einem Gerät, das durch Wärme Ziele orten könne.

00:11:19: Eine Wunderwaffe, die nie kommt!

00:11:23: Im November nineteen vierzig macht Pavlicki einen Abstecher in seiner Heimatstadt Gliwitz.

00:11:29: ein Gespräch mit seinem Vater Erich mit er nie vergessen.

00:11:32: Sein Vater fragt ihn bei einem Spaziergang ob er schon mal den Namen Auschwitz gehört habe.

00:11:38: Pavlicky verneint.

00:11:39: Der Vater fragts weiter ob er wisse dass die Luft im Gliwiets süßlich rieche wenn der Wind von Osten komme.

00:11:46: Widervernein Pavelitzki.

00:11:48: Der Vater schweigt, er ist für diese Thema nicht mehr ansprechbar.

00:11:52: Pavelitski schreibt später – er habe auch nicht weiter geforscht – weder bei seinem Vater noch später anderswo.

00:11:59: Auschwitz liegt sechzig Kilometer östlich von Gleiewitz.

00:12:02: zwischen März und Juli-Auschwitz sind in Gleewitz vier Nebenlager des Konzentrationslagers Auschwiz entstanden.

00:12:09: Die Häftlinge müssen harte Zwangsarbeit leisten viel sterben oder werden zur Ermordung nach Auschwitze zurückgeschickt.

00:12:17: Der süßliche Geruch in der Luft, das ist der geruch verbrannter Leichen aus den Krematorien von Auschwitz-Bergenau.

00:12:23: Pawlecki will das nicht wissen.

00:12:26: Er forscht nicht nach und fragt nicht weiter.

00:12:29: In den ersten Monaten des Jahres fünfundvierzig sorgt spät dafür dass Hitlers Nerobefehl vom neunzehnten März nur sehr dürftig ausgeführt wird.

00:12:37: Hitler will alles zerstören Verkehrs-, Nachrichten-, Versorgungsanlagen damit sie den Alliierten nicht in die Hände fallen.

00:12:43: Die Folgen interessieren ihn nicht – das eigene Volk interessiert ihn nicht mehr.

00:12:48: Speer sabotiert den Befehl, wo er kann und Pawelitzki, der hilft dabei wie ihr später schreibt aus guten Vertrauen habe Speer ihnen einbezogen.

00:12:58: ist das dann Widerstand oder nur die Einsicht dass der Krieg verloren ist?

00:13:05: Am achten Mai in nineteen fünf vierzig kapituliert die Wehrmacht.

00:13:08: Das tausendjährige Reich hat zwölf Jahre gedauert.

00:13:12: es hinterlässt sechzig Millionen Tote zerstörte Städte und ein traumatisiertes Volk.

00:13:19: Und Richard Pawełicki steht vor der Frage, was jetzt?

00:13:25: Das war die erste Hälfte dieser Geschichte!

00:13:28: Du wirst viele Namen schon gehört haben im Beschichtsunterricht oder in der Zeitung gelesen.

00:13:33: Nächste Woche hörst du wie Pawelecki mit gefälschen Papieren nach Hessen kommt.

00:13:38: Theologie studiert und dann von daßendfünfzig bis daßendsiebenfünfzig Fahrer in dem Landau von uns hier wird.

00:13:47: Was denkst du darüber?

00:13:48: Wie konnte jemand, der so tief verstrickt war untertauchen?

00:13:53: Sende mir eine WhatsApp-Sprachnachricht an.

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